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Der Soldat

- die Irrwege von Zwängen und die Prägung von Generationen.

 

Wer wollte als Junge nicht schon einmal gerne Soldat sein, ein stolzer Held sein, anerkannt, bejubelt, von Frauen und Familie bewundert, als starker Mann und Held. Welche Frau wollte nicht schon einmal einen starken Beschützer an ihrer Seite, der für sie kämpft...

 

Doch habe ich den Mut es genauer zu betrachten,

wird jeglicher Stolz verschwinden...

 

Werde ich Soldat, zwinge ich mich dazu mich zwingen zu lassen. Anfangs vielleicht noch mit Begeisterung, aber schnell wird klar, dass ich meinen eigenen Willen, meine Seele opfern muss. Denn ich lasse mich dazu zwingen, zu kämpfen, Waffen zu tragen und auf Kommando zu töten.

Ich lasse mich erst einmal in der Grundausbildung freiwillig quälen und schikanieren, „formen“ damit mein eigener Wille gebrochen wird und ich immer mehr leiste, immer länger durchhalten lerne. Und selbst wenn ich nicht mehr kann oder nicht mehr mag, zwinge ich mich immer noch weiter... sogar, wenn ich innerlich daran zerbreche. Dann bin ich der Held!

 

Mein Ziel ist das Durchhalten, die Härte, die Emotionslosigkeit, die Coolness, mich als Held zu sehen und nichts mehr zu fühlen, wie eine Maschine zu funktionieren... und als Gipfel der Coolness und des Heldentums steht mein Ziel zu kämpfen und zu töten, ohne etwas dabei zu fühlen - um der Held zu sein.

 

Immer mehr lasse ich mich zwingen, sowohl körperlich als auch geistig. Ich zwinge ich mich zu gehorchen, keine anderen Gedanken zuzulassen, keinerlei widersprüchliches Gefühl zu erlauben, jegliche Wut zu unterdrücken und zu speichern und sie für den Kampf aufzuheben. So lerne ich innerlich zu kämpfen, vor allem gegen mich selbst. Ich lasse mich innerlich manipulieren und dazu zwingen, „Feinde“ zu definieren und zu erkennen, auf die ich meine Wut richten muss. Ich zwinge und manipuliere mich selbst, mir bewusst vorzustellen, dass ich sie bekämpfen MUSS.

 

...denn würde ich fühlen was ich tue, könnte ich es nicht tun!

Somit muss ich mein Herz verschließen, für mich selbst, für meine Gefühle, für Gott.

 

Und ich zwinge mich daran zu glauben, dass es einem höheren Ziel dient, meinem Land dient, Gott dient, dass ich für den „Frieden“ kämpfe, dass ich meine Familie damit beschütze, und deshalb jederzeit bereit sein muss, auf Kommando zu kämpfen, Waffen zu tragen und sie zu benutzen. Ich trainiere und diszipliniere mich immer mehr selbst, bis ich mich an den Zwang gewöhnt habe, bis ich nicht mehr denke oder fühle, nur noch gehorche und es mir nichts mehr ausmacht.

 

Und komme ich in den Einsatz, in einen echten Krieg, dann zwinge ich mich jegliche Angst und jeglichen Zweifel in mir zu ignorieren, um auch äußerlich real gegen andere Menschen zu kämpfen, sie gefangen zu nehmen, zu verletzen oder zu töten, sie als Feind zu verurteilen und festzulegen, obwohl ich sie gar nicht kenne und nichts von ihnen weiß. Nur weil irgendjemand es mir so aufträgt oder eingeredet hat... oder ich rechtfertige es damit, dass ich mich ja nur verteidige.

 

Doch meine Seele muss ich dabei so stark wie möglich ignorieren,

denn im Herzen weiß ich genau, dass ich alleine verantwortlich bin,

für alles was ich entscheide und für alles was ich tu.

 

Im Gegenzug lasse ich mich dann womöglich gefangen nehmen, verletzen oder töten, von Menschen, von „Feinden“ die sich auch dazu zwingen, die ebenfalls keine Ahnung von mir haben, die mich als Feind verurteilen, obwohl auch sie mich gar nicht kennen.

 

Somit bewirkt der Zwang, dass ich innerlich und äußerlich kämpfe und dass Menschen sich bekämpfen, die wahrscheinlich Freunde wären, würden sie sich besser kennen lernen...

 

Und komme ich nach Hause vom Krieg, kenne ich nur noch Zwang und bin ja gewöhnt daran, nichts zu fühlen, nichts zu hinterfragen, niemals darüber zu reden, nur zu funktionieren, einfach nur cool und der Held zu sein. Unfähig zu lieben, unfähig zu leben...

 

Und beginne ich doch wieder etwas zu fühlen, so quält mich jedes Detail, jede Erinnerung, jede Grausamkeit... - das Fühlen wird zur Qual.

 

Um das alles nicht in Frage zu stellen, wird mir Stolz vermittelt, dass ich stolz auf meine Leistung und auf meinen Mut sein kann, mich so sehr zwingen zu lassen. Ich erhalte Auszeichnungen und Belobigungen, damit ich ja nicht auf die Idee komme, all das zu hinterfragen.

 

Und kehre ich als Junggeselle in mein normales Leben zurück, - unfähig zu lieben, zu leben, zu kommunizieren - suche ich mir eine Partnerin, die einen Helden oder Beschützer sucht, die sich ebenfalls zwingen lässt oder die sich selbst zwingen gelernt hat, um Kinder zu bekommen, denen man die eigenen Zwänge überträgt, Pakete voll Grausamkeit, voll Disziplin und Abhärtung, voll unverarbeiteter Erfahrungen. Und prägt Kinder und Familie und zwingt sie ebenfalls, sich an den Zwang zu gewöhnen.

 

Mit der tiefen Überzeugung, dass es ja nicht anders geht, weil das Leben eben so ist...

 

Oder ich kehre zu meiner Familie zurück, die ich vorher schon hatte, die mich nicht mehr kennen, so fremd wie ich geworden bin. Und ich, der ich unfähig bin mein Herz nach dem Erleben von so viel Grausamkeit zu öffnen, kann mich ihnen nicht mehr nähern, kann nicht mehr umgehen mit Liebe, Nähe, Kindlichkeit... Habe ich mich doch gezwungen all das im Krieg zu unterdrücken, mich abzuhärten und nichts mehr zu fühlen.

 

Und wo bleibt dabei meine Seele?

Wie lebe ich, nur im Zwang, ohne Liebe, ohne tiefe Gefühle...

Und wie werde ich damit sterben?

Wie wird es mir wohl damit im Jenseits gehen, wenn ich in die Welten meiner Seele komme,

wo es nur um Liebe und um Heilung geht?

 

Aus tiefstem Herzen wünsche ich jeder Seele die innerlich oder äußerlich zu kämpfen gelernt hat

 und glaubt, dass es ohne Kampf nicht geht:

Die Begegnung mit Gottes Liebe!

Den Mut und die Kraft sich mit sich selbst und mit Gott zu versöhnen

Für die Seele meines Opas und aller gefallenen Soldaten die im Jenseits auf Erlösung warten

Heliamus Raimund Stellmach am 01.11.2025

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